Wir sind noch da… (6 Monate, 3 Wochen und 2 Tage)

Hallo ihr Lieben! Nun habe ich wirklich ewig nichts Neues mehr von uns hören lassen, darüber denke ich immer öfter nach und habe schon ein ganz schlechtes Gewissen. Es war die letzten Wochen einfach kein Platz in meinem Leben zum bloggen, es ist derzeit so unglaublich turbulent in unserem Leben, dass ich manchmal nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll…
Erstmal zu unserem Sohn, schließlich ist er das wichtigste in unserem Leben! Mit Liam ist alles in Ordnung, letzte Woche waren wir zur U5, er wiegt jetzt 8.250 g (Geburtsgewicht 3.270 g) und ist 71 cm groß (bei Geburt 49 cm). Er hat demnach, wie ich finde, ein stattliches Gewicht. Zum Mindest sieht er wohl genährt aus! 

Stillen und Beikost
Und wo wir schon bei dem Thema „genährt“ sind: Inzwischen sind wir, dafür, dass Liam gerade mal knappe 7 Monate alt ist, ganz schön weit mit der Beikost. Morgens isst er, nachdem er vor dem aufstehen gestillt wurde, meistens genüsslich sein Roggenbrötchen, welches er so lange lutscht, bis es zerfällt und er die Brocken gut schlucken kann. Dazu meist ein Stückchen Gurke (welches ausgelutscht wird) oder auch mal Banane. Nachdem ich ihn vor dem Mittagsschlaf wieder stille, isst er nach dem Mittagsschlaf ganz unterschiedliche Dinge. Derzeit probieren wir uns bei dem Gemüse durch, als wir vor ein paar Wochen Kürbis probierten, schüttelte er sich und würgte den Kürbis direkt aus. Pastinake „knabberte“ er jedoch ab. Inzwischen mag er keine Pastinake mehr, wir bleiben natürlich dran, denn erfahrungsgemäß ändert sich bei unserem Kleinen der Geschmack alle paar Tage von „ganz blöd“ zu „schmeckt super“.

„Erfahrungsgemäß ändert sich bei unserem Kleinen der Geschmack alle paar Tage von „ganz blöd“ zu „schmeckt super“.“

Liams derzeitiger Favorit ist Brokkoli, was mich doch sehr wundert. Ich hatte mich schon vor Einführung der Beikost mit dem Gedanken auseinander gesetzt, dass er vermutlich keinen Kohl mag, denn ich kannte bislang kein Baby, was eine der Kohlarten isst und schon gar nicht, wenn es um grünes Gemüse geht. Wenn man die Evolution betrachtet, war früher schließlich alles was grün war, nicht gut oder ungenießbar und so ist es heute noch in vielen Menschen drin. Liam isst aber auch gerne Babymüsli von Alnatura. Vor der Beikost war ich davon überzeugt, meinem Kind niemals etwas Breiähnliches zu geben, aber ich finde inzwischen Müsli auch mal eine willkommene Abwechslung und auch wenn Liam dieses vom Löffel isst, anders geht es schlecht, darf er dabei „helfen“. Ich hindere ihn nicht daran, wenn er mir den Löffel weg nimmt oder aber mit den Händen in das Schälchen geht und matscht. Denn das war und ist mir immer wichtig gewesen, dass er alles, bevor es in den Mund kommt, auch mal mit den Händen fühlen darf. Deshalb finde ich Baby Led Weaning oder Fingerfood auch so toll, weil eben alle Sinne daran beteiligt sind. Klar hat Müsli keine schöne Farbe oder riecht besonders, aber es ist ja auch nicht so, dass wir seine Hände festhalten und „ein Flugzeug kommt geflogen“ spielen. Er darf frei darüber entscheiden, was in seinem Mund landet und was nicht und ich denke, solange ihm dieses Müsli vom Löffel oder von den Händen schmeckt, ist das okay für uns. Dieser Baby Led Weaning Gedanke ist so in mir drin, dass ich gerade bemerke, wie ich mich für das Müsli rechtfertige, dabei gibt es da eigentlich nichts zu rechtfertigen. Wie dem auch sei, dass isst er auf jeden Fall gerne und die halbe Portion die ich ihm da (milchfrei!) zubereite, putzt er auch meistens, mit Obst drin, auf. Das Milchfrei betone ich dabei, denn man kann es auch wunderbar mit Wasser anrühren, auch wenn die Empfehlung ab 6 Monate mit Milch ist. Zum einen rühren wir das ganze mit Wasser an, weil Milch unter einem Jahr, wegen der Laktose ja nicht gut ist und zum anderen versuchen wir generell, weitestgehend auf Milch zu verzichten. Also, warum sollte Liam dann Milch essen/trinken?! 

Schlafen
Nun haben wir die Essensfrage also geklärt und um zur nächsten Standardfrage zu kommen, ob unser Kind denn nun durchschläft: Jein. Abends haben wir ganz schön viel zu „kämpfen“, wir haben Tage, das schläft Liam sehr gut ein und Abende, da ist das Einschlafen mit viel weinen und schreien verbunden. Ich glaube, dass viele Eltern auch ein bisschen flunkern, was das Schlafen betrifft oder aber unser Kind gehört zu der schwierigeren Sorte Baby, das bezweifle ich aber. Denn immer wieder höre ich Sätze wie „unser Kind beruhigt sich nun selbst und kann schon ganz alleine einschlafen“ oder „er schläft ganz problemlos durch“! Unser Kind tut weder das eine, noch das andere, wobei ich froh bin, dass Liam uns beim einschlafen braucht. Denn auch für mich ist dieses Ritual Abends sehr wichtig und gehört zum Tag nun mal dazu. Wir machen ihn gemeinsam ab 17.30 Uhr bettfertig, ziehen ihn also um und schauen oftmals noch ein Buch an, wenn wir nicht ewig beim wickeln rum gealbert haben, denn unter der Wärmelampe, nackig, ist er am liebsten, wahrscheinlich wie die meisten Kinder. Dann stillen wir „gemeinsam“, ich schreibe ganz bewusst gemeinsam, denn beim abendlichen Stillen, gehört mein Mann fest dazu. Dann schläft Liam ein und wir gehen ins Büro, wo viel Arbeit wartet oder auch mal ins Wohnzimmer zum Fernsehen, was selten ist. Unsere Beziehung kommt derzeit leider viel zu kurz, aber das ist eine andere Geschichte. Und ab diesen Zeitpunkt kommt leider der etwas schwierigere Teil des Tages, denn Liam wacht ca. jede halbe Stunde auf, mein Mann geht dann zu ihm rein, beruhigt ihn und begleitet, bis er wieder eingeschlafen ist. Sobald er raus ist, man kann quasi danach die Uhr stellen, eine halbe Stunde vergeht, er ist wieder wach. Ich gehe dann nicht rein, das haben wir auch schon getestet. Bei mir lässt Liam sich nicht beruhigen, bis ich ihn stille und es ist egal, ob ich eine halbe Stunde vorher gestillt habe oder nicht. Ich stille wirklich gerne, ich liebe diesen Kontakt zu meinem Kind, aber wir stillen ja nun mal nach Bedarf und diesen halbstündlichen Bedarf habe ich mittlerweile nicht mehr.

Ich stille wirklich gerne, ich liebe diesen Kontakt zu meinem Kind, aber wir stillen ja nun mal nach Bedarf und diesen halbstündlichen Bedarf habe ich mittlerweile nicht mehr.“

Mal davon ab muss ich Abends so ziemlich alles erledigen, was tagsüber liegen geblieben ist und das ist reichlich, zumal ich mit meinem Job schon ziemlich ausgelastet bin. Um ca. 22.00-23.00 Uhr kann mein Mann Liam dann nicht mehr beruhigen und ich komme zum Stillen dazu. Aber bis dahin sind dann ja auch 4-5 Stunden vergangen, das finde ich absolut in Ordnung. Dann gehen auch wir irgendwann schlafen, bis ich alles erledigt habe, ist es jedoch manchmal 01.00 Uhr. Wenn wir dann ins Bett kommen, meldet Liam sich zwischen 0.00 und 01.00 Uhr, nicht mit weinen, sondern weil er plötzlich putzmunter ist. Er liegt dann fröhlich im Bett und lacht meistens. Dann wickeln wir, denn er pieselt ziemlich viel und da würde eine Windel von Abends bis morgens nicht reichen und wäre ja auch unschön, solange er nicht durchschläft. Er liegt dann auf dem Wickeltisch und fängt an zu spielen, zum Beispiel fährt er sein Holzauto durch die Gegend. Das macht er seit ein paar Tagen total gerne. Im Bett spielt er dann weiter und ihn dann zum schlafen zu bringen ist manchmal sehr schwierig und langwierig. Mein Mann schläft dann, er muss morgens seit Januar zur Umschulung. Teilweise vergehen 2(!) Stunden, bis Liam wieder schläft, was mit einem erneuten Stillen einhergeht, anders würde er wohl kaum wieder einschlafen. Wenn der Abend so läuft, bin ich bis zu diesem Zeitpunkt im blödesten Fall bereits 18 Stunden auf und ziemlich am Ende. Vier Stunden später müssen wir aber wieder aufstehen, denn um 07:30 Uhr muss ich meinen Mann zu seiner Umschulung bringen, leider mit Liam. Wir lassen ihm dann den Schlafanzug an, wenn es doof läuft, legen wir ihn schlafend in die Babyschale, direkt aus dem Bett. Das bringt einfach alles durcheinander. Manchmal bin ich dann echt sauer auf meinen Mann, dass er die Theorieprüfung bislang nicht geschafft hat, aber Wut bringt mich da auch nicht weiter. Wenn wir dann zurück sind ist Liam erstmal wach aber total unausgeschlafen und das bekomme ich oftmals bis zum Mittagsschlaf zu spüren. Ich bin froh, dass die Umschulung nur fünf Monate geht, wo wir schon beim nächsten Thema wären: Die Arbeit.

Berufliche Veränderungen/ Wie geht es jetzt weiter?!
Wie schon mehrfach geschrieben, macht mein Mann nun seit Januar eine Umschulung. Bis November letzten Jahres hat er in meiner Firma gearbeitet, aber zum einen klagte er oft über Rückenschmerzen, bei der körperlich sehr anstrengenden Arbeit, zum anderen funktionierte das nicht mehr zwischen ihm und meinem Vater, der ebenfalls bei mir arbeitet. Wir waren bislang also ein richtiges Familienunternehmen, bringt aber nichts, wenn man sich immerzu streitet. Wir haben oft geredet und lange überlegt uns dann aber dazu entschieden, dass mein Mann nun das machen soll, was ihm Spaß macht und liegt und somit war die Entscheidung gefallen. Ich fand es auch immer doof, dass wir allesamt von der Selbstständigkeit abhängig waren, denn bei schlechter Auftragslage oder schlechtem Wetter kommen keine Aufträge und somit auch kein Geld rein. Ihm gefällt die Umschulung sehr gut, er sagt, dass ist das erste Mal, dass er gerne zur Schule geht und dort lernt er auch direkt den praktischen Teil. Nun kam es aber vor gut einer Woche ziemlich dicke. Ich hatte die Rückenschmerzen ja schon angesprochen und wir waren dann beim Orthopäden, danach beim MRT. Die Ergebnisse haben mich dann ganz schön geschockt: Doppelter Bandscheibenvorfall, einmal in der Lendenwirbelsäule, einmal in der Halswirbelsäule. Als er mir das am Telefon sagte, er sollte mich anrufen, wenn er fertig ist, damit ich ihn beim Arzt abholen konnte, musste ich erstmal schlucken und einen Moment herrschte Stille. In diesem Moment warfen sich bei mir dutzende Fragen auf, wie soll es weitergehen?! Denn mit dem Bandscheibenvorfall darf der die neue Arbeit nicht machen, aber selbstverständlich auch nicht in meine Firma zurückkommen. Mit dieser Diagnose darf er eigentlich nur im Büro sitzen, sagte der Arzt. Das kommt aber nicht in Frage, das kann mein Mann nicht. Zuhause überlegten wir erstmal tagelang und entschieden uns nun dazu, dass er erstmal seine Qualifizierung zu Ende macht, schließlich sind es nur 5 Monate und er hat dann wenigstens irgendwas in der Hand. Da er aber nicht ins Büro umschulen kann, wird er nach diesen fünf Monaten, also ab Juni vorübergehend Zuhause bleiben. Ich halte weiter daran fest, meine Firma „auslaufen“ zu lassen, bzw. haben wir uns nun überlegt, dass mein Vater nur noch das macht, was sehr lukrativ ist und nichts anderes mehr. Nun können wir aber nicht alle Zuhause sitzen, denn von irgendwas muss man auch leben. Ich schrieb schonmal darüber, dass ich durch Liam zum Nähen gekommen bin, bzw. mich da wieder gefunden habe, nachdem ich Ewigkeiten nicht mehr genäht hatte. Ich eröffnete letztes Jahr, nachdem ich von allen Seiten sehr viel Zuspruch erhielt, einen Dawanda Shop, mit dem ich hoffte mein Hobby ein wenig finanzieren zu können. Das werde ich auch nach wie vor tun und weil die Nachfrage inzwischen gestiegen ist, verbringe ich meine Abende nähend. Mein Vater und ich sind dann zufälligerweise durch die Handarbeit auf etwas anderes in diesem Bereich gestoßen, was wirklich interessant ist und was es auch noch nicht so oft gibt. Und genau das wollen wir dann in Zukunft machen. Im März werde ich dann noch in einer ganz anderen Richtung mit einer Qualifizierung anfangen, bei der ich glaube, dass genau das meine Berufung ist. Wie man hört, es ist alles ziemlich kompliziert, zusammenfassend kann man also sagen, dass ich zukünftig meine Familie von zwei neuen Tätigkeiten ernähren will, während mein Mann Liam betreut. Einerseits wäre ich gerne mit Liam drei Jahre daheim geblieben, wobei ich ja ohnehin durchgehend, bislang, in meiner Selbstständigkeit weiter gearbeitet habe. Aber ich muss auch ehrlich sagen, so schön wie es mit Liam ist, fühle ich mich oft nutzlos. 

„Einerseits wäre ich gerne drei Jahre daheim geblieben, aber ich muss auch ehrlich sagen, so schön wie es mit Liam ist, fühle ich mich oft nutzlos.“

Ich denke die meisten wissen, ein Baby ist ein Vollzeitjob und man ist ausgelastet, aber trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass man denken könnte, ein Baby ist mal eben versorgt und der Haushalt nebenher geschmissen. Natürlich ist das nicht so, aber ich habe eben oft das Gefühl, nicht genug beizutragen und ich brauche auch Jobmäßig mal wieder eine neue Herausforderung! Ich bin total lernwillig und fühle mich vom Kopf her schon oft unterfordert. Ich weiß, dass mein Mann sich ganz toll um Liam kümmert, dass er bestens bei ihm aufgehoben ist, während ich arbeite. Für mich gibt es keinen besseren Vater und nicht jeder Vater kümmert sich zu rührend um sein Kind. 

Im Moment bin ich einfach sehr erschöpft und ausgelaugt, klar liegt das auch am Schlafmangel aber alles ist so in der Schwebe. Das kann sehr anstrengend sein, wenn man so voller Tatendrang ist aber nicht voran kommt und machmal auch nicht weiß, wie es weiter gehen soll.

„Das kann sehr anstrengend sein, wenn man so voller Tatendrang ist, nicht voran kommt und machmal auch nicht weiß, wie es weiter gehen soll.“

Man sagt ja immer: „Von Luft und Liebe kann man nicht Leben!“, diesem Satz stimme ich nur bedingt zu. Vor ein paar Jahren war ich sehr darauf bedacht, viel Geld verdienen zu wollen und auch bei Anderen angesehen zu sein, ich legte viel Wert darauf, im Trend zu liegen und machte mir oft Gedanken darüber, was andere über mich denken könnten. Alles andere war nebensächlich und der Wunsch irgendwann ein Kind bekommen zu wollen eigentlich nicht da. Als der Wunsch dann aber doch aufkam, die Kinderwunschzeit begann und ich dann den positiven Test in den Händen hielt, änderte sich alles schlagartig. Ich machte mir über Dinge Gedanken, über die ich nie nachdachte, alles drehte sich um dieses eine Kind, um mein Kind. Nichts war mehr wichtig, alles andere rückte in den Hintergrund und ich zweifelte meine bisherige Weltanschauung an. Alles im Detail zu erläutern würde hier wohl den Rahmen sprengen, aber um es in ein paar Sätzen zusammen zu fassen: Ich bin glücklich, obwohl ich kein Vermögen besitze. Ich bin glücklich, weil ich einen wundervollen Mann und unser geliebtes Kind habe. Ich könnte noch so viele Reichtümer besitzen, ohne Mann und Kind könnte ich nicht glücklich sein. Ich bin nicht mehr darauf bedacht, viel zu verdienen, sondern eher, etwas zu tun, was mir Spaß macht, wovon man aber leben kann, mehr nicht.

Puh, das ist jetzt ein wirklich langer Text geworden, aber so ist das, wenn man ewig nicht schreibt. Da meine Zeit auch heute begrenzt ist und ich heute schon gerne vor 01.00 Uhr ins Bett möchte, höre ich nun auf zu schreiben und werde einfach versuchen, ganz bald etwas von mir hören zu lassen!

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