Vom Stillen und der Nahrungsergänzung (2 Wochen)

Ich hoffe ich komme die nächsten Wochen wieder dazu, öfter zu berichten, aber derzeit fehlt die Zeit dafür. Wir mussten uns erstmal kennen lernen und anfangen eine Beziehung aufzubauen. Man liebt sein Kind zwar schon unendlich, wenn man es in sich spürt und kommuniziert auch dann schon miteinander, aber wenn es erstmal da ist, ist natürlich trotzdem alles neu. Da Liam unser erstes Kind ist, verändert er sowieso unsere ganze Welt, unser ganzes Leben hat sich von einem zum anderen Moment verändert, die Partnerschaft verändert sich, einfach alles ist anders! Jeden Tag erfreue ich mich unendlich an unserem kleinen Engel, ich könnte ihn 24 Stunden anschauen, wäre da nicht die Müdigkeit und das Bedürfnis nach Schlaf. Das bleibt derzeit am meisten auf der Strecke, das weiß man zwar vorher, aber letztendlich weiß man erst, wie es ist so wenig zu schlafen, wenn das Baby da ist. Die ersten Nächte waren sehr extrem, aber langsam gewöhne ich mich schon daran und bin auch nachts besser drauf. Weil die Erlebnisse der letzten zwei Wochen so viel waren, schreibe ich nun nach und nach von Themen, die mich beschäftigt haben, bis ich wieder auf dem aktuellen Stand bin.
Vom Stillen und der Nahrungsergänzung
Nachdem Liam am Sonntag, den 13.07.14 geboren wurde, hätte ich ihn gerne sofort angelegt. Ich hatte mir das schon zuvor vorgenommen, denn das sofortige Anlegen soll sich ja so positiv auf das Baby und die Beziehung auswirken. Aber leider wurde mir das nicht ermöglicht. Alles lief etwas anders. Es heißt auch, wenn man sofort anlegt, dann wird das Signal gesendet, die Plazenta auszustoßen. Mir war immer wichtig, dass das alles ganz natürlich von statten geht. Außerdem ist der Saugreflex nach der Geburt am stärksten. Pustekuchen! Unser Kleiner war gerade da, dann wurde, zum Glück, auf unseren Wunsch hin, das auspulsieren der Nabelschnur abgewartet, bevor mein Mann diese durchtrennen durfte. Da lag Liam dann bei mir auf der Brust, aber sobald das alles „erledigt“ war, wurde mir schon, ohne zu Fragen ein Mittel in den Venenzugang gespritzt, um die Plazenta zu lösen. Gleichzeitig sollte ich tief atmen und ein letztes Mal pressen, in dem Moment zog die Hebamme an der Nabelschnur und die Plazenta kam. Genau das wollte ich nicht. Nun, jetzt kann ich es nicht mehr ändern und zum Glück war das ganze auch schmerzfrei, zuvor hatte ich schon von anderen Erfahrungen gehört. Trotzdem fühle ich mich da im Nachhinein etwas „beraubt“, das Gefühl ist schlecht zu erklären. Im Kreissaal konnte ich dann gar nicht mehr anlegen und obwohl mir das Stillen immer so selbstverständlich vorkam und ich immer dachte, da ergibt sich alles von selbst, war dem leider nicht so. Als ich dann zurück auf unserem Zimmer war, bat ich meinen Mann, eine Schwester zu holen, um mir zu zeigen, wie man stillt. Denn als es soweit war, wusste ich gar nicht, wie man das macht und Liam machte auch keinerlei Anstalten um zu saugen. Die Schwester kam, zeigte mir fünf Minuten lang, wie das läuft, meinte ich solle es halt immer wieder versuchen und schwups war sie weg. Natürlich klappte das nicht und mir war vorher auch nicht klar, dass der Milcheinschuss meistens drei Tage nach der Geburt stattfindet und nicht vorher. Trotzdem war ich erstmal zufrieden und der Tag verging so schnell. Abends wurde Liam dann unruhig, er saugte immer noch nicht wirklich, aber nachdem ich schon gegoogelt hatte, wusste ich nun, dass das mit der Milch dauern könnte. Die Schwester sagte mir nachmittags noch, dass ein Neugeborenes ein 24 Stunden Reservoir hatte, bis dahin nichts trinken müsste. Ich sah schon die Stunden ablaufen und machte mir Vorwürfe, was wohl mit mir nicht stimme. Irgendwann schlief er dann und ich legte ihn alle zwei Stunden an, das gestaltete sich recht schwierig, im Bett sitzend war das für mich schwierig, also stillte ich im Stehen, weil ich nicht wusste wohin mit mir. Nun hatten wir Montag, wieder dasselbe Spiel. Nun bekam ich schon mehr Angst, denn die 24 Stunden waren um, ich las wieder nach und in diversen Foren las ich von Hebammen, solange man immer wieder anlegt, ist in der Regel alles in Ordnung. Ich legte weiter unbeholfen an, aber abends schrie Liam sich richtig in Fahrt. Wir liefen abwechselnd auf und ab, wir waren so müde, aber wir liefen. Dann kam die Nachtschwester und fragte was los sei. Ich sagte ihr, dass es eben mit dem Stillen noch nicht so ganz klappte und dass ich glaube, dass es daran liegt. Anstatt mir zu helfen, meinte sie, man müsste eben mal schauen und nahm das Wort „Nahrungsergänzung“ in den Mund. Bei mir gingen sofort die Alarmglocken an, ich geriet innerlich in Panik. Die Schwester war weg und ich sagte meinem Mann, wenn sie zur nächtlichen Runde kam, um Liam zum wiegen mitzunehmen, dann dürfe er sich in keinem Fall abwimmeln lassen, er müsste auf jeden Fall mitgehen und dafür sorgen, dass Liam auf keinen Fall eine Flasche oder Zuckerlösung bekommt. Eine halbe Stunde später kam die Schwester schon und sagte, Liam würde so lange schreien, das wäre nicht gut, sie würde ihn zu einem Entspannungsbad mitnehmen. Ich sagte direkt, dass mein Mann mitkommen würde. Sie war nicht begeistert, musste ihn ja aber zwangsläufig mitkommen lassen. Minute um Minute verging, ich verzweifelte da allein auf dem Zimmer immer mehr. Ich hatte das Gefühl zu versagen und Angst, dass mein Mann nachgeben würde. Ich hatte das Gefühl, die „Zügel“ nicht mehr in der Hand zu haben und musste bitterlich weinen. Ich ging immer wieder vor die Tür und schaute, ob mein Mann mit unserem Kleinen wieder kam. Irgendwann kam er dann wieder und Liam schlief, ich befürchtete das schlimmste. Aber mein Mann setzte sich durch. Die Schwester redete ihm immer wieder zu, aber er ließ sich nicht erweichen, zum Glück. Sie riet uns zu einem Schnuller, wenn schon kein Fläschchen. Denn das wäre sicherer und dann würde Liam aufhören zu schreien, weil sein Saugreflex befriedigt wäre. Einen Schnuller wollten wir auch nie. In dem Moment wollte ich aber alles tun, damit unser Kleiner zufrieden war und ich wollte alles außer einem Fläschchen o.ä. Mein Mann und ich wogen ab und kamen zu dem Entschluss, dass es wohl besser sei. Er ging los und holte einen Schnuller, unser Kind sah zufrieden aus. Langsam hatten wir das Gefühl, es wäre Zeit nach Hause zu gehen, ich hatte das Gefühl, man käme uns gefährlich nahe. Unser Entschluss stand fest, am nächsten Morgen wollten wir gehen. Ich wusste, wenn wir bleiben, wird unser Kind zum Flaschenkind und war mir sicher, Zuhause alles in den Griff zu bekommen. Am nächsten Morgen kam die Visite und ich äußerte sofort meinen Wunsch. Diesem wurde auch nachgegangen. Ich sollte zur Abschlussuntersuchung gehen und da war alles in Ordnung. Von da aus ging ich mit der Akte ins Schwesternzimmer, wo auch mein Mann mit unserem Sohn war, dort wurden die letzten Tests gemacht. Die Schwester sagte zu mir, dass das jetzt aber schnell ginge und ob was vorgefallen wäre. Ich sagte ihr natürlich nicht, wie ich empfand und verneinte. Das Hörscreening wurde gemacht, da war alles in Ordnung. Herzschlag war ebenso bei 100%, also durften wir gehen. Ich schrieb direkt meiner Hebamme, dass wir nun nach Hause gehen. Wir fuhren vom Krankenhaus noch eben zu BabyOne, weil wir einen Schnuller von Mam haben wollten, denn die gibt es in der Sterilisationsbox. Meine Hebamme schrieb dann, wir könnten telefonieren. Also rief ich sie noch vom Parkplatz aus an. Ich sagte ihr direkt, was mir Sorgen machen würde und das man im Krankenhaus schon von zufüttern sprach. Sie beruhigte mich direkt und sagte, sie käme direkt abends vorbei. Ich war glücklich. Als sie dann abends kam mussten wir ihr die Sache mit dem Schnuller beichten. Mit beichten meine ich, dass ich ja wusste, dass das eigentlich nicht richtig war, einen Schnuller zu geben. Sie stimmte mir zu, hatte aber Verständnis. Mit dem Schnuller meinte sie, ist nun das Problem, dass Liam nicht mehr die Brust haben will, weil ihm das Plastikgegenstück fehlt. Also gab sie mir ein Stillhütchen und half mir, Liam richtig anzulegen. Er saugte kräftig, ich war überglücklich. Als er dann abdockte sah man im Hütchen Vormilch, für mich ein gutes Zeichen. Meine Hebamme war vollkommen zufrieden und sagte mir, das alles in Ordnung sei und das der Milcheinschuss wahrscheinlich über Nacht käme und wie ich nun vorgehen könnte und wie sich das ganze dann entwickeln würde. Außerdem sagte sie mir, ich solle immer und immer wieder anlegen, denn das, was Liam heute „bestellt“, das wird morgen geliefert. Sie gab mir direkt Multi Mam Kompressen, diese sollte ich nach jedem Stillen 10 Minuten auflegen, nach 24 Stunden weg schmeißen. Sie sind so wohltuend! Wir räumten den Sessel und die Wickelauflage vom Kinderzimmer ins Schlafzimmer, damit ich nachts nicht laufen musste und wir beisammen sind. Das war genau das, was ich nun brauchte. Nachts saß ich dann da und es war so, wie meine Hebamme zuvor abends sagte. Ich fühlte plötzlich so ein Ziehen und so einen Druck in den Brüsten, mit einmal wurden sie ziemlich hart und fühlten sich gespannt an. Als ich Liam dann anlegte, sah ich im Hütchen plötzlich nicht mehr nur ein paar Tropfen, sondern mehr wässrige, gelbliche Flüssigkeit. Ich hatte das Gefühl, es geschafft zu haben, mein Körper funktionierte doch und tat das, was die Natur vorgesehen hatte. Aber die Brüste und besonders die Brustwarzen schmerzten extrem. Als meine Hebamme am nächsten Morgen kam, war sie sehr zufrieden mit mir und bestärkte mich immer wieder in dem, was ich tat. Sie tastete die Brüste ab und erklärte mir, dass das harte nicht Milch, sondern die Drüsen waren, die so angeschwollen sind. Innerhalb drei Tage sollten sie abschwellen und die Brüste wieder weich werden. Inzwischen hatte ich schon viel Milch, obwohl erst ein paar Stunden vergangen waren. Meine Hebamme sagte, wenn der der Druck zu groß werden würde, solle ich mich unter die Dusche stellen und die Brüste warm abduschen, dann laufen sie einmal aus und der Druck wird weniger. Außerdem sollte ich mir von meinem Mann aus der Apotheke Retterspitz äußerlich Tinktur besorgen lassen, diese zu gleichen Anteilen mit Wasser mischen, zwei Frischhaltedosen mit Waschlappen drin damit übergießen und in den Kühlschrank stellen. Dann nach dem Stillen die Waschlappen für zehn Minuten oberhalb der Brustwarzen auflegen. Beides befolgte ich und ich war wieder Mal so dankbar dafür, eine so erfahrene Hebamme zu haben. Am nächsten Tag waren die Brüste schon wieder weich und meine Hebamme war begeistert, wie schnell das ging. Liam trank nun sehr gut und die Milch floss nur so. Sie zeigte mir auch, wie ich im Liegen, seitlich stillen konnte und das gefiel mir noch viel besser, als im Sessel zu sitzen, so stille ich also eigentlich nur noch im Liegen. Das klappt wirklich sehr gut und wenn Liam dann erstmal ein paar Minuten getrunken hat, versuche ich zwischendurch immer mal wieder, das Hütchen weg zu lassen. Meine Hebamme sagte, das wäre schöner, wieder davon weg zu kommen und auch viel praktischer. Nachdem ich die ersten Tage ohne Multi Mam Kompressen nicht ausgekommen wäre, weil das ziehen an der Brustwarze unerträglich war, haben sich meine Brustwarzen inzwischen daran gewöhnt. Ich bin damit überglücklich, besonders, dass es so gut läuft und das wir im Krankenhaus nicht nachgegeben haben. Diese Nähe zu meinem Kind dabei ist unbeschreiblich. Wenn wir dann im Bett so aneinander gekuschelt unter meiner Decke liegen, dann ziehe ich ihm auch immer den Strampler aus, damit er seine nackten Beinchen und Füßchen direkt an meinem Bauch wärmen kann. Dann ziehe ich ihn ganz dicht an mich und genieße, ihm dabei zuzusehen, wie er ganz zufrieden trinkt und dann dabei einschläft. Das Stillen fördert die Beziehung so sehr und einerseits bin ich glücklich, dass das Stillen nur einer Mutter möglich ist, denn so muss ich das Gefühl nicht teilen, aber andererseits finde ich das für meinen Mann fast schade. Er liegt dann immer daneben und schaut manchmal zu, streichelt dabei den Kopf unseres Kleinen. Für ihn bleibt dann nur das Windelwechseln danach, was er derzeit noch nachts häufig übernimmt. Aber tagsüber genießt er häufig die Nähe, indem er unseren Kleinen in Bauchlage auf seine Brust legt. Dabei schlafen die Beiden häufig zusammen ein und das sieht so schön aus! Im Moment halte ich solche Momente auch mit Fotos fest, denn ich habe Angst, diese Momente irgendwann zu vergessen. Es ist komisch, aber ich weiß jetzt schon nicht mehr, wie es sich anfühlt, schwanger zu sein und das ist gerade mal zwei Wochen her! Darüber bin ich entsetzt. Meine Schwester war gestern da, bislang ist sie noch kinderlos. Als ich ihr das so sagte, meinte sie, dass ich das bestimmt nicht vergessen habe, sondern einfach im Moment keine Zeit darüber nachzudenken, aber ich denke nicht, dass dieses Gefühl wieder kommen wird.
So, nun werde ich mal wieder stillen und dann an so einem schönen Sonntag wie heute, noch eine Runde mit unserem Kleinen, meinem Mann und unserem Hund raus gehen. Die nächsten Tage werde ich mal schauen, dass ich ein Bild online stelle und dann werde ich mal meine Erfahrungen mit verschiedenen Stilleinlagen mitteilen, habe inzwischen feststellen müssen, dass die Auswahl riesig ist und die Unterschiede ganz schön.

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