Trennung mit Kind | Es ist aus…

Trennung mit Kind

Im ersten Babyjahr schrieb ich noch über das Thema Eltern werden, Paar bleiben und beleuchtete die Partnerschaft als Eltern näher. Niemand sagt einem, wie sehr sich die Beziehung verändert, wenn ein Kind hinzukommt. Und gerade ein High-Need-Baby, wie unserer Sohn eines war und nun auch als Kleinkind ist, lässt einen öfter Mal an die eigenen Grenzen stoßen, im Prinzip jeden Tag.

Ich fühlte nur noch Freundschaft

Als sich das erste Lebensjahr dem Ende neigte, kriselte es bei uns bereits mächtig. Trotzdem nicht so, dass ich an Trennung dachte. Anders sah es dann im 2. Lebensjahr aus, als ich eines Abends im Familienbett lag und mir bewusst wurde, dass sich die Gefühle meinem Partner gegenüber inzwischen auf Freundschaft beschränkten.

Ich schob den Gedanken zunächst beiseite und sagte mir, dass ich einfach zu viel Zeit zum nachdenken habe, während ich den ganzen Tag Zuhause war. Daraufhin ging es mir immer schlechter und ich fiel in ein tiefes Loch. Erst als ich von Zuhause raus war und wieder arbeiten ging während mein Mann seinen geliebten Job kündigte, ging es mir besser. Mit der Beziehung wurde es etwas besser, trotzdem sagte ich meinem Mann offen, dass ich ihm das, was er brauche nicht mehr geben könne. Und wenn er eine Andere finde, könne er sich gerne ausleben. An diesem Punkt war es, im Nachhinein betrachtet, eigentlich schon aus.

Der Freifahrtsschein der für die gefühlte Freiheit sorgte

Ganz platt gesagt, gab ich ihm den Freifahrtsschein und dazu muss ich sagen, ich bin extrem eifersüchtig. Als ich ihm das sagte, fühlte ich mich frei. Dieses Angebot zu machen tat mir gut. Und deshalb hätte ich da schon wissen müssen, dass nichts mehr zu retten ist. Der Gedanke, mein Mann könnte mit einer anderen Frau zusammen sein, machte mir nichts aus.

Wir redeten über dieses Angebot jedoch nicht nochmal, er nahm mich nicht ernst. Tatsächlich hatte er diese Situation und meine Aussage, „ich fühle nur noch Freundschaft“, als Scherz interpretiert. Das ich dieses „Aus der Gefühle“ unter Tränen verkündete, schien dabei wohl außer Acht.

Immer mal wieder hatten wir über die Jahre ernsthafte „Krisengespräche“. Mein Problem war oft, dass ich mich mit meinen Bedürfnissen nicht geschätzt fühlte und auch nicht ernst genommen. Er zeigte mir gegenüber so gut wie keine Gefühle, machte nicht einmal Komplimente oder versuchte überhaupt irgendetwas zu retten. Ich kämpfte unerbittlich, ich konnte mir eine Trennung nicht vorstellen. Obwohl ich mir bereits sicher war, dass das keine Liebe mehr ist und auch sonst keine Gefühle mehr, die für eine Beziehung sprechen würden.

Ich wollte die Beziehung beenden

So versuchte ich im März diesen Jahres wochenlang das Gespräch zu suchen, ich wollte eine Beziehungspause. Jeder weiß, was eine Beziehungspause bedeutet, es ist aus, meistens endgültig. Aber das hörte sich für mich zu hart an. Zu diesem Gespräch kam es wieder nicht, er nahm mich wieder nicht ernst und blockte ab, bevor ich überhaupt auf den Punkt kam. Innerlich hatte ich ja bereits fast ein Jahr mit uns abgeschlossen.

Nur so öffnete ich ihm die Augen

Dann war ich im April zu einer Tagesveranstaltung meines Arbeitgebers. Dort waren eher wenig bekannte Gesichter, ein Kollege aus meiner Filiale, eine bekannte Kollegin aus einer Filiale die weiter weg ist und an einem anderen Tisch ein Kollege aus der Nachbarfiliale. Wir kamen nur flüchtig ins Gespräch und hatten uns zuvor auch nur zweimal in meiner Filiale gesehen. Wir unterhielten uns über belanglose Dinge. Ich wusste bereits einiges über ihn, da man in den Filialen gerne über andere sprach.

Das Seminar war zu Ende und ich fuhr nach Hause. Zuhause angekommen bekam ich eine Facebook Freundschaftsanfrage- von ihm. Diese nahm ich an und er begann mir zu schreiben. Er war so nett und aufmerksam irgendwann kam die Frage, ob ich einen Partner hätte. Ich überlegte, was ich schreiben sollte. Fremdgehen geht für mich überhaupt nicht, aber für mich fühlte sich das nicht danach an. So oft hatte ich das Gespräch gesucht, weil ich die Beziehung längst beenden wollte. Meine Antwort sah mir gar nicht ähnlich: Ich schrieb das ich (noch) verheiratet sei.

Wir schrieben eine Weile hin und her und ich bekam endlich wieder die Bestätigung die ich brauchte. In seinen Augen war ich nicht nur die Mutter, die sich Zuhause ums Kind kümmern muss, sauber macht, aufräumt und kocht.

Wir trafen uns

Er fragte, ob wir mal zusammen spazieren wollten. Das kannte ich gar nicht mehr, mit meinem Mann war ich überhaupt nicht mehr spazieren, er hatte oft keine Lust darauf und ist generell nicht gerade unternehmungslustig. Ich verabredete mich tatsächlich, hatte dabei aber keinerlei Hintergedanken, ich wollte einfach raus aus dieser ganzen Situation und den Kopf frei bekommen. Es war Samstag Abend und wir gingen also zusammen spazieren, ich war sehr aufgeregt, denn das ich mich das letzte Mal mit einem Mann traf, war bereits gute 8 Jahre her.

Wir verstanden uns auf Anhieb, es fühlte sich vertraut an, die Gesprächsthemen gingen nicht aus und schon hatten wir 22.30 Uhr. An diesem Abend passierte natürlich nichts, er machte auch keine Annäherungsversuche. Aber ich merkte, wie es uns Beiden schwer fiel, zu gehen.

Und ich musste nach Hause und erklären wo ich war. Ich versuchte es mit der Ausrede im Fitnessstudio gewesen zu sein, denn Abends um 23.00 Uhr wollte ich nicht mehr solch eine Diskussion anfangen. Dazu muss ich sagen, dass ich überhaupt nicht lügen kann.

Alles kommt raus

Dann legte ich mich schlafen und wurde mitten in der Nacht von meinem Mann geweckt.

Er wurde direkt laut: „Hast Du Dich mit ihm getroffen?!“ „Nein, hab ich nicht?!“ „Wo warst Du wirklich?“ „Lass uns das morgen klären!“ „Er hat Dir geschrieben, es war so schön mit Dir…“

Da wusste ich, was Sache war, er las noch Zuhause den Messenger Verlauf und als ich schlief meinen WhatsApp Verlauf. Ich hatte sein Vertrauen gebrochen und er mein Vertrauen. Er war sauer, ich war sauer. Jetzt verstand er, dass ich das Alles ernst meinte und ich kam dazu, endlich zu sagen, was ich wollte: Eine Beziehungspause.

Plötzlich nahm er mich ernst

Jetzt verstand er, dass meine Versuche seit einem Jahr zu sagen, dass ich nicht mehr will ernst gemeint waren. Wir stritten viel, jeden Tag. Wir schrien uns an und machten uns gegenseitig Vorwürfe. Es war anstrengend, es ist anstrengend.

Zunächst machte er mir plötzlich Komplimente, meinte, er hätte mir immer gezeigt, wie sehr er mich liebte. Er schrieb mir Nachrichten mit Gedichten, während ich auf der Arbeit war. Er kaufte mir Rosen. Bis mir der Kragen platzte. Die Situation war so verfahren und ich war sauer, dass er mich erst ernst nahm, nachdem er verstand, dass ich für andere Männer interessant war. Und ich wollte nicht eine Beziehungspause, damit er dann erst versucht etwas zu retten. Bei mir gab es nichts mehr zu retten.

Trennung trotz Kind

Meine Eltern trennten sich damals uns zu Liebe nicht. Das kenne ich auch von vielen anderen Paaren. Schon immer war ich mir sicher, dass ich mich unabhängig davon ob wir ein gemeinsames Kind haben, trennen werde, wenn es nicht mehr geht. Und so kam es dann auch.

Was hat ein Kind davon, wenn man zusammenbleibt, obwohl man nicht mehr miteinander auskommt? Bei meinen Eltern bekam ich täglich mit, wie sie sich stritten und sich hassten. Das kann man nicht verbergen. Die Stimmung Zuhause war unerträglich.

Unser Sohn bekam jetzt mit seinen gerade drei Jahren viel zu viel mit in den paar Wochen. Wie ist das über Jahre? Wie sehr steht ein Kind dann unter Stress? Ich kann nur aus meiner Kindheit berichten, es gab kein Tag wo ich mir nicht wünschte, dass sich meine Eltern einfach trennen und getrennte Wege gehen…

Ich möchte, dass mein Kind das nicht über Monate oder Jahre ertragen muss. Mein Wunsch ist, dass mein Kind mich wieder glücklich und ausgeglichen erleben kann.

Ein Kind ist niemals Schuld an einer Trennung, es gibt in jeder Beziehung Höhen und Tiefen, und aus manchen kommt man eben nicht mehr gemeinsam heraus.

Deine

9MonateKUGELRUND.de

 

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