Unser High- Need Kleinkind (2,5 Jahren)

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High- Need oder Asperger Syndrom?

Unser „Kleiner“ brachte uns ja vor einem Jahr zu der Vermutung, dass hinter seinem Verhalten mehr stecken könnte, z.B. Asberger Autismus. Das bestätigte sich für uns nicht, auch wenn es sicherlich Züge gibt, die dafür sprechen könnten. Er ist nicht einfach, wenn auch zauberhaft.

 

Nur High- Need Kind

Aber nun dazu, warum sich unsere Vermutung nicht bestätigte:
Er liebt andere Kinder. Egal, wo er Kinder antrifft, er ist total kontaktfreudig. Er geht auf alle Kinder aufgeschlossen zu und findet immer sofort Anschluss. Und: Er ist inzwischen total chaotisch! Er richtet immer ein heilloses Chaos an, sämtliche Spielsachen werden ausgepackt und verstreut. Manchmal liebt er zwar immer noch die Ordnung, sortiert fleißig und räumt weg, aber seine Spielsachen betreffend ist dem nicht so.

Motorische Fähigkeiten

Motorisch hat er total aufgeholt und ich kann keine Unterschiede mehr zu Gleichaltrigen feststellen. Ich denke, in dem Alter relativiert sich das total. Er rennt, er springt, er ist immer in Aktion und klettert auch gerne waghalsig überall hoch.

Sprachkompetenz- oder wie uns unser Kleinkind immer wieder zum Lachen bringt

Sprachlich ist er vielen Kindern voraus, mit einem guten Jahr sprach er drei- und mehr- Wortsätze. Jetzt, mit 2,5 Jahren kann man sich wie mit jedem anderen auch unterhalten und wir sind immer wieder erstaunt, wie wortgewandt er doch ist. Er erzählt sogar komplette Abläufe, welche vor ein paar Tagen und weiter zurückliegend statt gefunden haben. Leider hat er sich auch, zur Belustigung anderer, unschöne Redewendungen von uns abgeguckt. Er nutzt also Ausdrücke wie „Oh mein Gott!“ und „Oh Mist!“. Unzählige Male hat er uns schon zum schmunzeln gebracht, mit seinen Aussagen. Neulich, morgens im Bett, spielte sich folgende Unterhaltung ab:
Ich: „Wollen wir gleich Brötchen backen?“
Zwerg: „Nein, ich möchte lieber Schokoeier backen.“
Ich: „Aber Schokoeier kann man nicht backen.“
Zwerg: „Warum, schmecken die dann nach Lebkuchen?“

Vor ein paar Tagen, ebenfalls im Bett, sagte er morgens zu mir: „Mama, wie sieht Dein Pony denn aus?! Warte, ich mache ihn richtig.“
Dann zupft er rum, bis alles gerade ist.
„So, jetzt siehst du wieder schön aus!“
Und ich dann: „Und, wirst Du irgendwann Friseur, oder doch lieber Feuerwehrmann?“ (Sein Lieblingsspiel: Feuerwehrmann)
Ganz empört: „Nein Mami, ich werde Katze!“

Er ist so Zucker, mit dem was er so raus haut. Im Moment ist er im übrigen abwechselnd Hund und Katze und ist dabei auch sehr konsequent. Wir sind dann „Mama Kätzchen“ und „Papa Kätzchen“. Auch „Oma und Opakätzchen“ sind vertreten. Wir müssen ihm dann im Bett immer Hundekörbchen und Katzennester bauen, in die er sich einkuschelt. Wir dürfen aber auch abwechselnd Fahrzeuge sein. Er ist dann „Feuerwehr- Bibsi“ (ein Kosename, den er aber unter guter Laune auch mal selbst sagt), „Polizei Papa“ und „Krankenwagen Mama“. Die Zuordnung ist dabei immer gleich bleibend, warum das genau so ist, keine Ahnung.

Im Moment fragt er auch viele komplizierte Sachen, bei denen ich erstmal selbst nachdenken muss: „warum haben wir ein Herz?“, „Woher kommt der Mond?“, „Warum wird es Abends dunkel?“, „Wo schläft der Mond?“ oder auch „Warum gibt es Ebbe und Flut?“ Meine Antworten sind dann wahrscheinlich oft nicht ganz kindgerecht, aber ich denke, dass muss auch nicht immer sein. Gerade dadurch fördert man ja die Sprachintelligenz.

Unser besonderes Kleinkind

Nun auch zu den nicht ganz so einfachen Dingen: Unser Mäuschen war und ist ein High-Need- Kind. Für uns stand das immer fest (bis zu der Vermutung Autismus, die sich ja wie oben beschrieben nicht bestätigte). Was das mit einem Kleinkind für uns bedeutet? Er schläft schlecht, soll heißen, bei ihm ist meistens vor 00.00 Uhr kein Ende in Sicht. Er ist dabei aber schon länger fast unerträglich, weil er so müde ist. Ich schlafe oft vor ihm, wenn ich so früh aufstehen muss. Morgens schläft er dann lange, aber dann ist eben auch der halbe Tag um. Mittagsschlaf macht er selten, und wenn mal, dann nur, wenn er in den Schlaf getragen wird. Gar nicht so einfach bei einem 13,5kg Kleinkind.

Wie mich unser 24-Stunden Kind an meine Grenzen brachte

Ich mag das auch nicht schön reden. So oft habe ich von Menschen, die null Ahnung haben gehört, „Das ist nur eine Phase, dass geht vorbei!“ und auch nett: „Da mussten wir ja alle mal durch!“
Nein, so ist es nicht. Bei uns ist das keine Phase, bei uns hält diese Phase jetzt 2,5 Jahre an. Die Situation verändert sich immer mit Kindern, aber bei uns wird es eben nicht unbedingt leichter. Ich liebe mein Kind mehr als alles andere auf dieser Welt. Trotzdem ist es nicht einfach. Ich war zwei Jahre mit unserem Kleinen Zuhause, danach war ich nervlich ein Frack. Ich habe mich total gehen lassen, weil ich so in diesem Trott war und bin nur noch wie ein Zombie umhergewandelt. Bibsi hat es tatsächlich geschafft, die ersten 18 Monate(!) stündlich aufzuwachen, um zu stillen. Nach 18 Monaten ist man dann am Ende. Danach reduzierte er endlich etwas, aber immer noch nicht genug. Daraufhin kündigte mein Mann seinen geliebten Job und blieb Zuhause. Ich ging Vollzeit arbeiten und kam endlich wieder raus, unter andere Menschen. Endlich hatte ich wieder das Gefühl, eine eigenständige Person zu sein und nahm auch das erste Mal überhaupt wieder meine Bedürfnisse wahr. Ich hatte in der Schwangerschaft 30kg zugenommen, direkt nach der Geburt hatte ich drei Kilo verloren (durch Kind und Co.), danach tat sich nichts mehr, weil ich mich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Durch meinen Job fand ich zurück ins Leben, stellte meine Ernährung um und nahm mir sogar wieder Zeit fürs Fitnessstudio. Wenn ich jetzt mal deprimiert bin, dann gehe ich dorthin und lasse mich mit meinem Kraftsport aus. Ich habe 28kg abgenommen und liege nun unter dem Gewicht von vor der Geburt. Meine Selbstständigkeit habe ich komplett aufgegeben und auch sonst habe ich mich von allem frei gemacht. Unser Zwerg stillte dann im übrigen plötzlich deutlich weniger Nachts, nachdem ich wieder zu arbeiten begann. Ich hatte schon befürchtet, es sei umgekehrt.

Langzeitstillen, ein Ende in Sicht?

Im Oktober letzten Jahres schlief ich dann das erste Mal allein außerhalb, zwei Nächte. Gott, ich hatte zuvor in meinem Leben noch nie so gut und erholt geschlafen. Mich hätte wohl niemand wecken können. Danach wurde mir erst bewusst: Für mein Kind hatte ich mich restlos aufgeopfert und war schon lange über meine Grenzen gegangen!
Ich möchte allen Müttern, denen es wie mir ging, Mut machen und klar machen: Lasst es nicht so weit kommen. Ihr seid eigene Persönlichkeiten und ihr könnt das guten Gewissens ausleben. Euren Kindern bringt es nichts, wenn ihr euch unwohl mit euch selbst fühlt, unglücklich seit und euch in eurer Rolle restlos aufopfert. Ich weiß, ich hätte damals auch kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn ich einfach eher abgestillt hätte. Wobei ich trotzdem glaube, dass das nicht ausschlaggebend war. Wir stillen im übrigen heute noch, aber nicht mehr jeden Tag und Nachts gar nicht, da bin ich ausnahmsweise mal konsequent. Wenn ich nicht möchte, sage ich das auch ganz klar und ich denke, dass ist für ein 2,5 jähriges Kind okay. Auch merke ich inzwischen, dass unsere Stillzeit bald vorbei ist. Gestern Abend sagte mir der Zwerg „Ey, da kommt ja gar nichts!“ und vielleicht war das das Zeichen, dass wir nun damit abschließen können.

Ein zweites Kind?

In diesem Alter des ersten Kindes bleibt es natürlich nicht aus, dass alle um einen herum fragen, ob denn schon ein Zweites geplant ist. Und ich kann getrost sagen: „Nein, unser Kind wird wohl ein Einzelkind bleiben!“. Ich weiß nicht, wie es in ein paar Jahren ist, aber derzeit habe ich mit einem weiteren Kind abgeschlossen.

Klar, nicht jedes Kind ist so anstrengend, aber das Risiko eingehen? Auf keinen Fall!

Eure

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