High- Need- Kind oder Asperger- Syndrom?!

High- Need Kind | 9MonateKUGELRUND.de

High- Need Kind oder auch 24- Stunden Baby

Bereits nach den ersten Lebenswochen war uns klar, dass unser Kleiner nicht gerade zur Sorte „Anfängerbaby“ gehört und einige Monate später stieß ich auf den Begriff „High- Need Baby“ (auch 24h-Baby) und da war mir klar: Ja, dass muss unser Kind sein.
Dieser Begriff erklärt vieles, im Großen und Ganzen, dass unser Kind eben diese besonderen Bedürfnisse hat. Auf die genaue Definition möchte ich hier nun gar nicht eingehen, vielleicht ein anderes Mal.

Asperger- Syndrom

Jedenfalls bin ich vor ein paar Tagen sehr hellhörig geworden als ich auf Facebook von einer Mutter las, die ähnliche Erfahrungen gemacht hat und deren Kind, wie unseres, einige „Ticks“ hat. Diagnostiziert wurde dort dann das Asperger- Syndrom, eine leichtere Form des Autismus. Ich erschrak darüber, denn unter Autismus stellte ich mir bislang etwas ganz anderes vor (das was die Medien eben suggerieren). Ich recherchierte etwas und dank Google, wie soll es anders sein, habe ich nun die Befürchtung, dass bei uns mehr als ein 24h- Kind dahinter stecken könnte. Befürchten ist das falsche Wort, denn an unserem Kind würde das ja überhaupt nichts ändern, aber ich denke, man versteht, wie ich es meine. Das Syndrom könnte man, soweit mir nun bekannt, noch gar nicht mit 18 Monaten diagnostizieren, aber auch das würde Vieles erklären. Wie ich darauf komme?

Vorlieben oder auch Ticks

Unser Zwerg hat ganz bestimmte Vorlieben und Vorstellungen davon, wie etwas gemacht werden muss. Als Beispiel: Wenn wir rein kommen, müssen wir, noch vor dem ausziehen der Jacke, Hausschuhe anziehen. Tuen wir das nicht, holt er (sogar in der richtigen Kombination) jedem die Schuhe vom Regal und besteht mit „AN!“ darauf, dass wir diese sofort wechseln. Anfangs fanden wir das ganz lustig, bei anderen Kindern haben wir das noch nicht gesehen. Er selbst muss immer etwas an den Füßen haben, auch Nachts. Verliert er seine Socken mal Nachts, wacht er sofort auf und weckt einen von uns, die Socke vor die Nase haltend und sagt dann lautstark „Ocke an!“. Beim wickeln weint er, wenn man versucht, die Socken auszuziehen, also werden sie angelassen. Wir dürfen ohne Socken auch nicht ins Bett und Abends ist es sehr schwierig, denn eigentlich hätte er auch gerne, dass wir Schuhe im Bett anziehen, er weint dann deshalb viel. Vor die Türe stellen, bringt nichts, dass weiß er nämlich und zeigt dann eben weinend auf die Türe und ruft „an“. Manchmal könnte man dabei verrückt werden, denn jegliche Erklärungen bringen natürlich auch nichts. Weiter geht es mit Fusseln, die mal auf dem Boden liegen. Wenn sie für uns auch nicht sichtbar sind, unser Sohn findet sie alle und seien sie noch so klitzeklein. Er hebt sie dann auf und besteht darauf, dass wir sie annehmen, ansonsten wird er wütend, alternativ bringt er sie selbst in den Müll. Er räumt ständig auf, lässt man auch nur eine Kleinigkeit liegen, wird man ermahnt, oder aber die Sachen werden ebenfalls im Müll entsorgt. So kontrollieren wir also regelmäßig die Mülleimer, an die er kommt, bevor mal etwas Wichtiges in einem unbeobachteten Moment weg kommt.  Es muss auch immer alles seine Ordnung haben und alles gehört an seinen richtigen Platz. Das hört sich hier vermutlich sehr praktisch an, wenn das 18 Monate alte Kind für Ordnung sorgt, ich finde es inzwischen aber alles andere als praktisch. Manchmal fühle ich mich regelrecht überwacht und in meinen eigenen Entscheidungen sehr begrenzt. Inzwischen können wir nicht einmal mehr darüber entscheiden, ob wir im Dunkeln schlafen wollen, dass mag er nämlich gar nicht. Vor einigen Monaten noch war das selbstverständlich aber inzwischen wacht er beim Licht ausmachen sofort auf und will, dass es wieder angemacht wird. Auch wenn man im Dunkeln rein kommt, möchte er das Licht sofort an haben und er weiß auch genau, wo überall Lichter sind. Weihnachten war da echt stressig, meine Mutter hat nämlich so ziemlich jede Ecke mit Licht geschmückt und ich habe den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als Licht an und aus. Ich war froh, als die Deko weg war!

Stündliches Aufwachen

Mit dem Schlafen sagt auch jeder „Da muss jeder durch, das haben wir alle hinter uns.“ auch beliebt: „Das ist nur eine Phase!“, diese Phase geht jetzt seit 18 Monaten und wird eher schlimmer als besser. Als er ein knappes Jahr war, sind wir um ca. 18.00 Uhr ins Bett, gegen 19.30 Uhr hat er dann geschlafen, dass war schon ziemlich anstregend. Jetzt gehen wir um ca. 20.00 Uhr ins Bett (um 18.00 Uhr geht gar nicht) und um 22.30 Uhr schläft er. Der Abend ist dann um. Er möchte auch nicht mehr von seinem Papa ins Bett gebracht werden, obwohl wir nichts verändert haben. Auch nicht nur von mir, sondern alle müssen da sein. Wir stillen Nachts stündlich und ich merke, wie mir das an die Substanz geht, obwohl ich sehr gerne stille. Da weiß ich manchmal nicht weiter. Seit drei Nächten versuchen wir nun, sanft das nächtliche Stillen abzugewöhnen, damit wir und unser Schatz mal zu einem besseren Schlaf kommt.

Fremdbetreuung undenkbar

Derzeit kann ich mir nicht vorstellen, dass unser Kleiner nächstes Jahr in die KiTa geht und bin froh, dass wir für dieses Jahr keinen Platz bekommen haben. Er sollte eigentlich in einen Waldorfkindergarten gehen. Dort müssen aber alle Kinder Mittagsschlaf machen, wegen Vorbild und Nachahmung legen sich nämlich auch die Erzieherinnen hin. Mir wurde versichert, dass es da noch keine Probleme gab, sowohl die kleinen als auch die großen Kinder schlafen dort gerne. Vor dem Mittagsschlaf abholen möchte man dort nicht. Da sehe ich unser Kind aber noch nicht, denn bei uns ist der Mittagsschlaf katastrophal, egal was wir machen. Und wenn ich weiß, es liegt nicht daran, dass mein Kind nicht will, sondern nicht kann, dann kann ich ihn dort auch nicht guten Gewissens hin geben. Es ist einfach so schwierig und wir haben lange darüber nachgedacht, was ist, wenn wir hier nicht von einer langen Phase sprechen, sondern von immer? Was ist, wenn sie das nicht mehr ändert und unser Kind sich niemals anpassen kann?

Als Tagesmutter eigenes Kind betreuen

Ich habe 2015 eine Menge Fortbildungen gemacht, in einem Bereich, in dem ich wirklich gerne arbeite, aber in dem ich derzeit nicht arbeiten kann, weil es für unseren Kleinen so schwierig ist, von mit getrennt zu sein. Selbst wenn er in vertrauter Umgebung von vertrauten Menschen für ein paar Stunden betreut wird. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mich über eine Qualifizierung in der Kindertagespflege informiert habe. Morgen wird die Eignung festgestellt und ich hoffe so sehr, dass ich geeignet bin und habe Angst, dass ich abgelehnt werde. Ich sehe im Moment darin die Lösung, denn dann trage ich zum Haushaltseinkommen bei und unser Mäuschen kann trotzdem bei mir sein, solange das erforderlich ist. Ich kann mit Kindern zusammen arbeiten und den bindungsorientierten Umgang trotzdem in mein Berufsleben integrieren. Wenn ich merke, er ist soweit, kann man ja eine Eingewöhnung im Kindergarten angehen, ist dies nicht der Fall, dann eben nicht. Ich sehe das als Chance, möglichst viel Freiraum für das was noch kommt zu schaffen.

Eure

9MonateKUGELRUND.de

3 Kommentare

  1. Das klingt sehr anstrengend…

    Zum Asperger-Syndrom: keine Panik, das kann vom "klassischen" Autismus so verschieden sein wie die Sonne vom Mond. Ich selber kenne zwei Aspies, die beide zwar ihre Macken haben, aber sonst völlig "normal" leben. Und eine Diagnose (auch wenn sie so früh wohl nicht möglich sein dürfte) hilft, die richtige Unterstützung für deinen Kleinen zu finden. Insofern lohnt es sich wohl, sich weiter zu informieren und die Möglichkeit im Auge zu behalten, damit ihr frühzeitig zu kompetenten Spezialisten gehen könnt. Aber mit einer Diagnose ändert sich ja das Kind nicht, er bleibt, wie und was er war, es öffnen sich nur mehr Möglichkeiten für gezielte Förderung.

    Und zur Kita: ich weiss von einem meiner beiden bekannten Aspies, dass er in Kindergarten und Schule völlig unauffällig war und sich dort in Strukturen (solange sie täglich gleich blieben) einpassen konnte, die zuhause undenkbar waren. Es kann also gut sein, dass der Mittagsschlaf gar nicht so problematisch wird wie befürchtet. (Und falls doch, könnte auch da eine Diagnose oder ein begründeter Asperger-Verdacht helfen, weil dann klar ist, dass es nicht einfach ums Nicht-Wollen geht.)

    Alles Gute euch dreien und viel Kraft,
    Julia

  2. Hallo liebe Julia,

    vielen Dank für Deine Worte! Es beruhigt mich, dass Du gleich zwei Asperger- Autisten kennst, die beide völlig normal leben. Wir werden unseren Sohn einfach weiterhin dahingehend beobachten und wenn er etwas älter ist, nochmal genauer nachschauen lassen, damit er keine Nachteile daraus ziehen muss.
    Du hast Recht, vielleicht kann er sich ja anpassen und vielleicht würde man sonst auch Rücksicht nehmen, wenn er eben nicht kann. Aber das wissen wir vorher nicht und ich möchte auch im Notfall nicht, dass er den ganzen Kindergartenalltag dort auf den Kopf stellt, wobei gerade Waldorf ihm diese festen Strukturen geben würde.
    Wir halten uns möglichst viele Optionen offen und werden sehen, was die Zeit mit sich bringt.

    Danke, liebe Grüße,
    Leni

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