Erstes fremdeln mit 13 Wochen

Fremdeln | 9MonateKUGELRUND.de

Erstes Lachen, erstes fremdeln

Es ist kaum zu glauben, wie schnell aus einem Säugling, der so gut wie nichts kann, ein kleiner Mensch mit vielen Fähigkeiten wird und seinen eigenen Charakter entwickelt. Unser Kleiner hat gestern das erste Mal „laut“ gelacht und fing vor ein paar Tagen an, nicht nur seine Hände beim stillen zu halten, sondern mit seiner freien Hand alles zu erkunden. Dabei zieht er an meinen Anziehsachen oder fährt über meine Haut, haut auch gerne mal dabei unkontrolliert drauf. Letzte Woche fing er auch an, Interesse an meinen Händen zu entwickeln, nun fasst er sie gerne an, schaut sie intensiv an und hält sie fest. Montag hat er seine Füße entdeckt, aber er scheint da noch lange nicht so weit zu sein, dass er sie beim wickeln festhält oder so etwas, das wird wohl noch dauern. Das Interesse äußert sich eher dadurch, dass er währenddessen er sitzt, an sich herunter zu seinen Füßen schaut und sich daran erfreut, wie sie tanzen. Das findet er sehr lustig.

Immer aufmerksamer

Der Zwerg ist so aufmerksam und neugierig und es ist für mich unglaublich spannend, dass so ein kleines, wundervolles Wesen schon ganz eigene Charakterzüge hat. Er kann z.B. schon ganz gut beleidigt sein, oder bevor er weint, zieht er eine Schippe, dass sieht sehr süß aus, obwohl das nicht gerade zu den erfreulichen Momenten gehört. Das hat er schon von Anfang an gemacht. Vor ein paar Tagen habe ich das erste Mal bemerkt, dass er fremdelt. Das hat er vorher nie getan, aber ich habe auch gelesen, dass nun wieder die Zeit ist, wo ein Wachstumsschub daran Schuld sein könnte. Er ist derzeit viel knatschig und ich hatte mich schon so auf die Zeit, jenseits der ersten 12 Wochen, gefreut.

Koliken mit 12 Wochen vorbei

Die Koliken haben genau bis Ende der 12 Wochen angehalten, er scheint zwar ab und an da noch Probleme zu haben aber lange nicht in dem Ausmaß wie zuvor. Zurück zum fremdeln. Vor ein paar Tagen kam meine Mutter mittags von der Arbeit und sie begrüßte den kleinen Muck wie immer. Er lachte zunächst auch noch und meine Mutter nahm ihn mir daraufhin ab. Plötzlich sah er gar nicht mehr so glücklich aus und schaute mich schon fast verzweifelt an. Als ich ihn zurücknahm, war alles wieder gut. Einerseits erfreut es einen als Mutter natürlich, dass das eigene Kind so an einem hängt, andererseits ist es natürlich doof, dass er dann bei Menschen fremdelt, die er jeden Tag sieht. Unser Tag gestern war der Horror. Wir erwarteten Besuch, meine Cousine wollte zum Kaffee kommen und brachte direkt meine Oma mit. Unser kleiner Schatz hatte zuvor noch keine Bekanntschaft mit meiner Cousine gemacht, meine Oma hatte er so vier, fünfmal gesehen. Ich hatte meiner Oma unseren Kleinen nie gegeben, das wollte ich auch nicht. Denn dabei habe ich ein super ungutes Gefühl, ich weiß auch nicht, aber da vertraue ich einfach meinem Gefühl. Ich empfand das auch nicht als schlimm, denn ich möchte ohnehin nicht, dass jeder mein Kind nimmt. Auf jeden Fall war der Zwerg gestern sowieso nicht gut drauf, davor die Tage auch schon nicht, ich schiebe das auf den oben genannten Wachstumsschub.

Angst um das eigene Kind

Ich gab meiner Mutter kurz unseren Zwerg, um ein Foto zu holen. Ich war vielleicht maximal zwei Minuten weg. Als ich runter kam, traute ich meinen Augen nicht: Da saß meine Oma und hatte den Schatz auf dem Arm, aber total unbeholfen. Sie hielt ihn unter den Achseln und er hang da in der Luft wie ein nasser Sack. Das Bild war für mich schrecklich und mir verschlug es die Sprache. Ich sah, wie unglücklich mein Sohn aussah und fühlte mich wie gelähmt. Ich weiß nicht, was mit mir los war und wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die Tränen. Beschreiben oder sagen, warum das so ist, kann ich gar nicht, ich weiß es nicht. Ich warf meiner Mutter einen bösen Blick zu und ging in die Küche, um die Spülmaschine einzuräumen. Da hörte ich meine Oma, wie sie doch tatsächlich meine Cousine fragt, ob sie den Kleinen nicht auch mal nehmen wollte. Und was tat ich?! Nichts! Ich fühle mich dahingehend nun echt schuldig. Meine Cousine wollte gar nicht, sie ist angehende Lehrerin und sehr Psychologie interessiert, sie meinte, ob das nicht zu viel wäre… und schon drückte meine Oma ihr den Krümel in die Hand. Ich konnte nicht hin sehen. Meine Cousine kam aber sofort zu mir, samt meinem Schatz, damit er wenigstens Blickkontakt zu mir hatte. Er fing an zu weinen und so gab sie mir ihn direkt zurück. Ich werde das wohl nicht verzeihen können, ich weiß nicht, was da in mir kaputt gegangen ist, aber das ging zu weit. Da verstehe ich keinen Spaß. Den restlichen Nachmittag war der Zwerg total aufgekratzt und dann badete ich ihn, weil meine Oma raucht. Nach dem Bad hatte ich noch ganz schön zu kämpfen, legte ihn immer wieder an, bis er dann halbwegs zufrieden einschlief. Als mein Mann von der Arbeit kam, tauschten wir und er legte sich mit unter die Decke, dabei wachte der Muck aber auf und er hatte nochmals zu kämpfen, bis er einschlief.

Alpträume

Ich hatte nachts dann Alpträume, ich weiß nicht mehr genau, aber irgendwie wohnte ich plötzlich in einer anderen Familie und ich hatte meinen Schatz im Arm. Plötzlich kam eine Frau zu mir und nahm ihn wie selbstverständlich weg und meinte, er müsse jetzt schlafen gehen und ging mit ihm eine Treppe hoch. in diesem Moment fühlte ich mich so machtlos und rief noch hinterher, dass wir aber Abends immer „Einschlafstillen“  und das er dann am zufriedensten sei. Aber das half nicht. Als ich aufwachte und und der Zwerg neben mir lag, war ich überglücklich. Vielleicht hängt das alles auch mit meinen Trennungsängsten zusammen, unter denen ich seit meiner Kindheit leide. Ständig habe ich Angst, meinen Mann zu verlieren auch dahingehend hatte ich eine ganze Weile jede Nacht Alpträume, nun seltener, dafür kommt das jetzt aber anscheinend mit meinem Kind. Ich denke, dass einzige was mir da hilft, ist, dass ich morgen nochmals das Gespräch mit meiner Mutter suchen werde, wobei die mir gestern versicherte, meine Oma habe ihr den Kleinen aus den Armen gerissen. Wenn die Wut bei mir vorbei ist, werde ich auch nochmal mit meiner Oma das Gespräch suchen und ihr sagen, dass das nicht geht und ich das nicht möchte. Sie ist leider überhaupt nicht einsichtig und kritikfähig, was so etwas betrifft, zudem sehr nachtragend und spricht regelmäßig mit verschiedenen Personen nicht mehr, aber dann ist es halt Pech, ich möchte das nicht so stehen lassen. Vorhin war der Kleine wieder sehr aufgekratzt, ich denke, dass kommt immer noch von gestern und auch von mir. Beim schlafen schreit er auch schon mal auf, dass macht er immer, wenn er sehr viel erlebt hat. Mir tut das alles so unendlich Leid! Fremdeln geht also in beide Richtungen, denke ich, mein Kind fremdelt, weil es sich, wahrscheinlich, bei mir sicher und geborgen fühlt und ich fremdle auch auf eine Art und Weise, weil ich fühle, dass mein Kind bei mir am besten aufgehoben ist.

Wie erging es euch mit Euren Babys? Konntet ihr die Kleinen gut aus der Hand geben oder hattet ihr das auch Probleme?

Eure

9MonateKUGELRUND.de

6 Kommentare

  1. Wenn ich das als Aussenstehende so lese, habe ich den Eindruck, dass die ganze Situation dich viel mehr gestresst hat als deinen Sohn, und dass sich deine Anspannung nachher auf ihn übertragen hat. Klar musst du den Umgang mit deiner Verwandschaft so gestalten, dass dir dabei wohl bist. Aber du schreibst ja auch selbst, dass Liam bereits eigene Charakterzüge zeigt. Deshalb: hab Vertrauen in die Instinkte deines Kindes. Er ist ja kein hilfloses Neugeborenes mehr, sondern kann Unwohlsein bereits klar ausdrücken. Wichtig ist für ihn, dass er weiss, dass du da bist, sein Fels in der Brandung, und dass du ihn sofort nimmst und tröstest, wenn er schreit. Wenn er gewisse Personen oder Situationen nicht mag, wird er lautstark protestieren (das hat er ja auch gemacht). Solange er sich darauf verlassen kann, dass du dann sofort reagierst, ist alles in Ordnung, denn so lernt er, dass er mit unangenehmen Situationen fertig werden kann und ihnen nicht einfach ausgeliefert ist. Insofern besteht kein Grund, dich schuldig zu fühlen!

    Ob es sich lohnt, das Gespräch mit deiner Oma zu suchen, kannst du besser beurteilen. Aber nach meiner Erfahrung hilft es gerade bei uneinsichtigen Grosseltern mehr, mit den Personen drumherum (also in deinem Fall Mutter und Cousine) zu reden, damit die nächste Begegnung einfacher wird. Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft dabei, denn ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die liebe Verwandtschaft sehr viele Nerven kosten kann…

    LG, Julia

  2. Wenn es ums Kind geht, hört man häufig auf, höflich zu sein, sondern das zu machen, was sich für einen selbst richtig anfühlt. Und das ist gut so. Hast du den Wunsch, deinen Kleinen in deinen Armen zu lassen, dass zieh es durch, egal was Oma denkt. Oder sonstwer. Die Oma meiner Kleinen raucht übrigens auch, und hat Rauchverbot bekommen, sofern sie das Kind halten will. Übrigens auch Parfumverbot, nachdem sie einmal komplett Eingedunstet zu Besuch kam. Ob sie es übel genommen hat, war mir egal – ich hätte es MIR übel genommen, falsch höflich zu sein. Man kann noch gern erklären, warum man etwas tut oder lässt, aber auch das wird nicht jeder verstehen.

  3. Hallo Julia! Vielen Dank für Deine ehrliche Rückmeldung und Deinen Rat. Wahrscheinlich hat sich meine Stimmung und auch meine Bedenken wirklich einfach übertragen. Ich hatte in dieser Situation nur das Gefühl, dass ich schon bei seinem Blick hätte einschreiten müssen, aber wahrscheinlich hätte ich da einfach über reagiert, ich sollte wirklich darauf vertrauen, dass er weiß, was er möchte und was nicht. Meinen ersten Gedanken, das Gespräch mit meiner Oma zu suchen, habe ich inzwischen über Bord geworfen, ich glaube auch, das macht keinen Sinn. Ach ja, die liebe Verwandtschaft…
    Lg, Leni

  4. Wenn ich den Wunsch verspüre, meinen Kleinen in den Armen zu halten, dann kann ich nicht anders, außer mich durchzusetzen, anders halte ich es nicht aus. Es ist gut zu hören, dass es auch noch andere Mütter gibt, die das so sehen, wie ich. Auch bzgl. rauchen, nicht jeder will verstehen, dass es nicht nur darum geht, direkt neben dem Kind zu rauchen, sondern auch schon darum, vorher geraucht zu haben. "Parfumverbot" habe ich auch schon erteilt, zum Mindest nett drauf hingewiesen und das wurde auch gut angenommen. Viele machen sich da wohl einfach keine Gedanken. Auf Verständnis von allen Seiten kann man als Mutter nie hoffen, es gibt immer Menschen, denen Dieses oder Jenes nicht passt, aber wir wissen ja, warum wir das tun.
    Lg, Leni

  5. Bitte versteh mich nicht falsch, ich wollte weder dein Verhalten noch deine Gefühle kritisieren! Aber dein Text wirkte so verzweifelt und wütend, da wollte ich dir nur zeigen, dass man die Situation auch anders sehen kann: du hast deinem Kind die Möglichkeit zu selbstbestimmten Handeln gegeben. Wir werden (wie alle Mütter) wohl noch so einiges unfreiwillig "falsch" machen, da sind Schuldgefühle unvermeidlich, aber ein distanzierter Blick kann manchmal helfen 😉
    LG, Julia

  6. Als Kritik habe ich Deinen Kommentar nicht wahrgenommen, sondern wirklich nur als Deine ehrliche Meinung. Für mich ist die objektive Sicht der Situation auch wichtig und vor allem hilfreich. Nachdem Wut und Verzweiflung abgeklungen sind, kann ich die Dinge nun auch wieder klarer sehen. Nach dem heutigen Tag bin ich mir auch sicher, dass Liam da ganz eigene Entscheidungen treffen kann und seinem Gefühl auch ganz klar Ausdruck verleiht. Wir waren zu Besuch bei Freunden und Liam hat ganz klar gezeigt, von wem er gehalten werden möchte und von wem nicht 🙂
    Lg, Leni

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