Familienbett trotz Trennung?

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Noch vor der Trennung bauten wir unser Familienbett nach gut 2,5 Jahren ab. Diesen Tag habe ich in Erinnerung, als wäre es erst gestern gewesen. Ich liebte unser Familienbett, wir liebten unser Familienbett und genossen die gemeinsamen Nächte darin, auch wenn es nicht immer einfach war.

Als sich das Familienbett nicht mehr richtig anfühlte

Als die Nähe zu meinem Partner für mich immer unerträglicher wurde, kam für mich irgendwann die Frage auf, was mit dem Familienbett passieren sollte. Gut konnte ich mich an den Abend vor über einem Jahr zurück erinnern, an dem ich meinem Ehemann sagte, dass sich unsere Beziehung nur noch wie eine Freundschaft anfühlte. Damals nahm er diese Aussage nicht ernst und ich schlief weinend in unserem gemeinsamen Bett neben unserem Sohn ein. Er bemerkte nichts davon.

Für mich war es eine seltsame Situation, jede Nacht neben einem Menschen einzuschlafen, für den ich nicht mehr viel empfand. Unter anderen Umständen teilte man sein Bett ja auch nicht mit einem Freund, zum mindestens nicht jede Nacht.

Der Wunsch nach einem eigenen Bett

Mein Sohn blätterte den IKEA Katalog durch und nahm die Kinderzimmer genau unter die Lupe, bis ihm ein Hochbett auffiel. Er fragte, ob er auch so ein schönes Bett haben konnte und für mich war das der Moment, wo ich mir dachte, es ist Zeit los zu lassen. Eigentlich hätte mir in diesem Moment klar sein müssen, dass mein gut 2,5 jähriges Kind nicht die Konsequenzen kannte. Wenn er ein Hochbett haben möchte, muss das Familienbett weichen. Aus meinem Bedürfnis nach Distanz heraus nahm ich das in Kauf.

Eigentlich brauchten wir eine neue Couch und fuhren so an einem Wochenende zu IKEA. Unser Sohn war derweil mit meinen Eltern bei meiner Schwester. Wir schauten uns auch alles andere an und dort stand dann das Hochbett, was unserem Kleinen so gut gefiel.

Ein Vorwand, um aus dem Familienbett auszubrechen

Meinem Mann erzählte ich dann von dem Wunsch unseres Sohnes und schlug spontan vor, ein Hochbett als Überraschung zu kaufen, statt der Couch. Er dachte sich sicherlich nichts schlechtes dabei und ich sagte noch, wir bekämen das schon hin, ohne Familienbett.

So kauften wir an diesem Tag also das Wunschhochbett, fuhren rasch nach Hause, um es noch aufzubauen, bevor alles wieder daheim waren. Schnell machte ich noch ein Erinnerungsfoto vom Familienbett und schon war es abgebaut und in Einzelteile zerlegt. Ich musste schlucken und war mir unsicher, ob das tatsächlich die richtige Entscheidung war.

Gemeinsam bauten wir das Hochbett auf und als unser Schatz Zuhause ankam, stand alles fertig da und sein Zimmer war ohne das wuchtige Familienbett kaum wieder zu erkennen.

Die Freude war groß und die Nähe trotzdem wichtiger

Manche Eltern haben nun die Vorstellung, wenn das Kind erst einmal sein Traumbett hat, schläft es auch dort. Dem war auch so, wir jedoch mit ihm. Zunächst schlief mein Mann oben und ich unten mit dem Kleinen. Einer von uns hätte auch im Schlafzimmer in unserem Ehebett schlafen können. Mein Mann dachte wahrscheinlich nicht annähernd daran und ich traute mich nicht, diesen Vorschlag zu machen.

Nachdem die erste Latte des neuen Hochbettes brach, brauchten wir einen Plan B. Wir schliffen eine der Matratzen rüber und so schlief einer von uns neben dem Hochbett und der Andere mit Kind unter dem Hochbett.

Gemeinsam im Hochbett nach der Trennung

Dann kam die Trennung. Wir schliefen trotzdem zunächst weiterhin so, bis wir uns immer öfter stritten. Dann wechselten wir uns mal ab, sodass einer von uns im Ehebett schlief und einer Kinderzimmer. Wir vertrugen uns und schliefen wieder im Kinderzimmer. Das ging einige Zeit hin und her, bis die Situation unerträglich wurde. Wenn unser Kleiner schlief, schliefen wir nun das erste Mal wieder gemeinsam alleine in unserem geliebten Schlafzimmer. Wir erinnerten uns an die schönen Abende zurück, die wir dort verbrachten und waren uns bewusst, wie sehr wir uns nach diesem Tag gesehnt hatten.

Es fühlte sich trotzdem nicht gut an und mir wurde immer bewusster, dass diese schönen Abende nie wieder kamen.

Vom Ehebett in getrennte Betten

Bis zu diesem Entschluss dauerte es. Wenn wir uns stritten schlief mein Mann im Wohnzimmer und ich im Schlafzimmer. Wenn wir uns gut verstanden, schliefen wir gemeinsam im Ehebett. Unser Kleiner verlangte nach wie vor jede Nacht nach uns und so wanderte mein Mann dann nachts zu ihm aus, wenn er rief.

Irgendwann war es dann ganz aus, wir stritten nur noch. Und zwar so, dass wir uns gegenseitig nicht mehr in einem Bett ertragen hätten. Er schlief ab diesem Zeitpunkt im Wohnzimmer und ich im Schlafzimmer. Unser Schatz brauchte uns weiterhin jede Nacht und seit diesem Zeitpunkt der endgültigen Trennung der Betten hole ich ihn jede Nacht zu mir, wenn er nach uns ruft.

Freiheit genießen

Inzwischen fühlt sich diese Situation ganz normal an. Ich genieße Abends die Ruhe in meinem Bett und endlich mal allein zu sein. Und trotzdem bin ich nicht alleine, wenn ich mit meinem an mich gekuschelten Kind morgens gemeinsam aufwache. Niemand kontrolliert, wie lange ich mit meinem Smartphone online bin und was ich mache. Ich bin für mich.

Familienbett als Beziehungskiller?

Viele Eltern, die oftmals kein Familienbett haben, sind der Meinung, dieses wäre ein absoluter Beziehungskiller. Man könne kein Sex mehr haben und sei ja überhaupt nie alleine. Dem kann ich nur widersprechen. Wer Sex haben will, hat eben woanders Sex und kuscheln kann man gemeinsam im Familienbett.

Es war nicht das Familienbett, was unsere Beziehung kaputt machte. Es waren auch nicht die äußeren Umstände. Das Problem waren einzig und allein er und ich. Wir passten nicht mehr, wir harmonierten nicht mehr, ich fühlte mich nicht mehr geliebt.

War das Familienbett die falsche Entscheidung?

Definitiv nein. Ich würde es immer wieder tun und könnte es jedem empfehlen, für den es sich richtig anfühlt. Wir genossen die Abende im Familienbett, wir genossen es, gemeinsam aufzuwachen. Ich liebte es, so unkompliziert Nachts zu stillen und mein Kind so nahe bei mir zu haben. Es fühlte sich immer richtig an. Und es würde sich auch jetzt noch richtig anfühlen, wenn wir noch ein Paar wären.

Wie unser Kind mit dem Abschied vom Familienbett umging

Leider nicht sehr gut, was jedoch im Grunde zu erwarten war. Das Familienbett ist nun seit vier Monaten abgebaut und es vergeht kaum ein Tag, wonach er nicht danach fragt. Mir tut das immer sehr leid, trotzdem finde ich, muss das Familienbett für alle Beteiligten passen und wenn dem nicht so ist, muss ein Kompromiss her.

Es ist ein insgesamt schwieriges Jahr für unser Kind, ein Jahr voller Veränderungen. Im Februar stillten wir ab (wobei das von ihm aus ging, mir aber mehr als Recht war), ich ging im 3- Schichtsystem arbeiten und war auf oft Nachts nicht zu Hause. Ab März stritten wir viel, was unser Sohn leider oft mitbekam und trennten uns. Das Familienbett musste weichen und letztlich schliefen wir komplett getrennt. Dazwischen irgendwann wurde er trocken und ab Juni war plötzlich wieder ich Zuhause und mein Mann ging arbeiten. Im Juli hatten wir dann die ersten Schnuppertage im Kindergarten, was einfach total ungewohnt war und wo ich mich überhaupt nicht drauf eingestellt hatte, weil wir davon ausgingen, dass mein Mann all das machen würde.

Dieses Jahr war wirklich hart und es ist noch nicht zu Ende. Nun steht der Auszug meines Mannes bevor und ab August ist dann die Eingewöhnung im Kindergarten. Gut möglich wäre auch, dass mein Kind irgendwann dazwischen einen neuen Mann an meiner Seite kennen lernt…

Deine

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